Die moderne Kynologie - die moderne Wissenschaft vom Hund
Die Basis unserer Zusammenarbeit

"Der Sinn des Lebens für Hunde liegt,
auch den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge,
in guten Beziehungen."
Kurt Kotrschal


I. Hund und Mensch - ein Beziehungsthema

II. Die gute Beziehung, der Sinn des Lebens für Ihren Hund

III. Was brauchen wir dafür und wie setzt Du das um?  

IV. Über Dankbarkeit und Verantwortung: Hund & Mensch kulturhistorisch und ein Ausblick

V. Du bist die Lösung!

 

I. Hund und Mensch - ein Beziehungsthema

Hast Du schon eine Beziehung oder konditionierst Du "nur"?

Beziehung und Bindung, eine wichtige Differenzierung.
Beziehungen können wir, genau wie unsere Hunde, zu vielen Individuen haben.
Bindung ist etwas exklusiveres, oft gibt es einen Bindungspartner Nr.1, gleichzeitig kann ein Hund durchaus zu weiteren Personen tiefe Bindungen eingehen.
Das Wort Beziehung benutze ich hier und im folgenden übergeordnet für die zu beschreibende Thematik, wie es auch im human-therapeutischen Bereich, z.B. in der Familientherapie, der systemischen Arbeit, etc. benutzt wird.

Die gute Beziehung zwischen Dir und Deinem Hund steht in meiner Arbeit mit Dir im Mittelpunkt.
Was im ersten Moment vielleicht unerheblich klingt, bedeutet den Unterschied für Ihren Hund.
Aus Deiner Sicht habt ihr schon eine gute Beziehung - wie sieht das Dein Hund?

Hast Du schon eine Beziehung oder konditionierst Du "nur"?

 

Was ist der Unterschied zwischen Beziehungsarbeit und dem Training über reines Konditionieren?
Dieser Unterschied ist von
ausschlaggebender Bedeutung für uns.
Das Wissen darüber hilft uns nichts geringeres zu entscheiden als,

wie wir mit unserem Hund leben und arbeiten wollen
!

Dazu ist es wichtig zu wissen,
dass beiden Ansätzen wissenschaftlich-traditionell eine unterschiedliche Sichtweise auf das Tier,
und damit auch auf den Hund, zu Grunde liegt.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Wissenschaft.

Was unser heutiges Wissen über den Hund angeht, leben wir Hundeliebende in gesegneten Zeiten. 
Das war nicht immer so. Die Art wie sich die Wissenschaft heute mit dem Haushund beschäftigt,
ist Ergebnis einer wissenschaftshistorischen Entwicklung, welche zu einem Umdenken führte und letztendlich zu einem Paradigmenwechsel.

Der Paradigmenwechsel in der Wissenschaft und der daraus resultierende Wandel der Sichtweise auf den Hund*

* Unten stehend eine ausführliche Version dieses Textes mit allen Quellenangaben.

Zwei Schulen und ihre unterschiedliche Sichtweise auf den Hund

Tradition des Behaviorismus


Die Ethologie, die vergleichende Verhaltensforschung, deren Unterdisziplin die Kynologie, die Wissenschaft des Hundes, aus ersterer resultierend die Forschung zu den kognitiven Fähigkeiten des Tieres.
Die Wissenschaften, die unserer "Beziehungsarbeit" mit dem Hund zu Grunde liegen:


u.a. Anton Pawlow (1849-1936),7 welcher bei seinen Forschungen zu den Reflexen das Prinzip der klassischen Konditionierung entdeckte und seine amerikanischen Nachfolger im Geiste, John Watson (1878-1958), der Begründer des Behavorismus, und Edward Thorndike (1874-1949) und B. F. Skinner (1904-1990), welche sich der Erforschung der instrumentellen und der operanten Konditionierung widmeten.

Die Ethologie, die vergleichende Verhaltensforschung, wegweisende Biologen u.a : Oskar Heinroth (1871-1945), Erich von Holst  (1908-1962), Konrad Lorenz,  (1903-1989), Günter Tembrock, (1918-2011) Nikolaas Tinbergen  (1907-1988), Irenäus Eibl-Eibesfeldt (1928) 

Die Kynologie, die Wissenschaft des Hundes, wegweisende Biologen und Forscher in diesem Feld u.a.: Eberhard Trumler (1923-1991), Wolf Herre (1909-1997), Erik Zimen (1941-2003), Dorit Feddersen-Petersen, Kurt Kotrschal, Adam Miklosi, Udo Gansloßer, Juliane Kaminski, Günther Bloch


Sichtweise auf den Hund damals

Sichtweise auf den Hund heute

"Reflexmaschine";  das Tier als Objekt; keine Betrachtung im sozialen Kontext

 

Der Hund wird nicht länger als Objekt gesehen, sondern als Subjekt, als ein denkendes, fühlendes, hochsoziales Wesen.

 



 

Selbstverständlich nutzen wir auch weiterhin das errungene Wissen solch herausragender Biologen wie Anton Pawlow. Zumal gerade Pawlows früher Ansatz zur Erforschung unterscheidlicher Persönlichkeitstypen der Hunde, basierend auf seinen Beobachtungen im Labor und außerhalb, in Anlehnung an die von Hippocrates und Galen bereits in der Antike beschriebenen Charaktertypen, ein vergleichbar wichtiger Beitrag zur Forschung ist, wie die Entwicklung seiner laborgestützten Forschung zum assoziativen Lernen. Durch das bloße Zusammensein mit den Hunden erkannten er und seine Mitarbeiter durchaus Unterschiede in den Charkteren der Individuen.
Wie gesagt, selbstverständlich nutzen wir auch weiterhin das Wissen über Konditionierung in der Arbeit mit  unseren Hunden.
Durchaus als ein Element in der Ausbildung, als auch des therapeutischen Bereiches,
Beispiele Gegenkonditionierung.

Gleichzeitig sind wir jetzt uns jetzt gewahr,
- dass Hunde fähig zu Denkleistungen sind, über den, nicht zu unterschätzenden, komplexen Vorgang des reinen Konditionierens hinaus,
- dass sie hochsoziale Wesen sind, die kommunizieren, kooperieren, interagieren und Gefühle haben.

Das führt auch zu anderen Möglichkeiten des Lehrens,
 u.a. des Lernens im sozialen Kontext und in der Therapie zu sozialer Unterstützung des Hundes,
des Arbeitens mit ihm ohne Druck und der therapeutischen Werkzeuge Entschleunigung und Entspannung, zum Beispiel.
Wobei unser Hund nicht nur in der Ausbildung und Therapie, sondern selbstvertständlich in jeder Lebenssituation im Alltag soziale Unterstützung erfahren sollte.
Wir lassen doch keine Freund im Regen stehen, oder?

Menschen mit Empathie haben dies über die Jahrtausende schon immer gespürt
und die Wissenschaft hat in den letzten ca. dreissig Jahren begonnen obiges zu beweisen,
mehr als ein Dankeschön dafür!
Möge der letzte Zweifler überzeugt sein.

Die moderne Wissenschaft räumt auf mit veralteter Sichtweise auf Wolf und Hund - Mythen im Hundetraining haben ein Ende

Einem weiteren Aspekt, der ihre Wesenhaftigkeit und ihre Bedürfnisse unterminierte,
liegt  Fehlinterpretation wölfischen Verhaltens und ein Ausblenden des jahrtausende währenden Domestikationsprozesses des Hundes zu Grunde.

In diesem Fall beeinflusste dies die Sichtweise auf den Hund derartig,
dass es zu aversiver Hundedressur, aversivem Hundetraining  und aversivem Umgang mit ihnen, teilweise bis heute, führte,
also dazu,
mit schmerzausübenden, Angst verursachenden Hilsmitteln und körperlicher Gewalt mit dem Hund zu arbeiten und mit ihm umzugehen.
Dieser Irrtum hat bis heute Auswirkungen und macht, auch damit, auf Vertrauen und Respekt, ja Liebe, basierenden Beziehungsaufbau zum Hund zunichte.

Auch hier leistet die Forschung, bezeichnenderweise wiederum die Ethologie, großartige Aufklärungsarbeit,
räumt mit dem Mythos des dominaten Alpha-Wolfes, des fehlinterpretierten Agressionsverhaltens und des falsch verstandenen Rangordnungsgefüges auf und
trägt dem errungenen Wissen über den Domestikationsprozess, den kognitiven Fähigkeiten, der Rassekunde, und so viel mehr, des Hundes Rechnung und verortet  den Hund damit neu.

Dank der Ethologie und ihrer, für uns wichtigen, Unterdisziplin Kynologie, hat sich unsere Sichtweise auf den Hund gewandelt:
Bei jeder Form der Ausbildung und dem Umgang mit dem Hund sollten wir uns nun immer vor Augen halten,
dass wir es mit einem denkenden, fühlenden Wesen zu tun haben.
Und, dieses Wesen tritt in Beziehung zu uns. Wir haben eine Bezogenheit aufeinander.
Diese Bezogenheit, diese Beziehung, harmonisch und für beide Seiten befriedigend zu gestalten,
liegt in unseren Händen und die heutige Wissenschaft untermauert diesen auf Vertrauen und Respekt basierenden Umgang mit dem Hund.

Die Kynologie, die Wissenschaft vom Hund, umfasst heute Forschung in sämtlichen Bereichen der Biologie:

Ethologie, welche u.a. Verhalten, Kommunikation und die kognitiven Fähigkeiten des Hundes erforscht und beschreibt, also die Gedächtnisleistungen und das Lernverhalten.

Evolution und Stammesgeschichte, Forschung zur Koevolution von Mensch und Hund, Domestikationsprozess und Rassekunde.

Physiologie, Neurobiologie, Genetik, Verhaltensbiologie, also u.a. Forschung zu Auswirkungen des Hormonhaushaltes auf das Verhalten des Hundes, und Tiermedizin.

Gerade die Forschung über das Gefühlsleben von Tieren, auch in der Neurobiologie, zeigt am deutlichsten die neue Sichtweise auf den Hund.

Ein Gefühlsleben von Hunden lässt sich, auch aus wissenschaftlicher Sicht, nicht länger in Abrede stellen.

An der Erlangung und Verbreitung des Wissens über den Hund arbeiten heute weltweit hervorragende Wissenschaftler und meine Arbeit basiert auf diesen Erkenntnissen der modernen Hundeforschung.

II. Die gute Beziehung - Der Sinn des Lebens für Ihren Hund

Hunde wollen kommunizieren, kooperieren und interagieren. Sie wollen in einem, für sie, funktionierenden Sozialgefüge leben. In einer guten Beziehung zu ihren Sozialpartnern. Was heißt das für uns Hundehalter? 
Stimmt die Beziehung, sind die Rollen klar verteilt, ergibt sich ein harmonisches Zusammenleben und damit die Basis für ein effektives Training.


Was ist die Basis jeder guten Beziehung und damit die Basis für ein effektives Training?
Vertrauen.

Wie erlange ich das Vertrauen meines Hundes? 
Durch das Geben von Sicherheit, Schutz und einer ruhigen, entspannten, klaren Führung.

III.  Was brauchen wir dafür und wie setzen Sie das um?

"Wissen schützt Tiere."
Dorit Urd Feddersen-Petersen


1. Was





 Wissen

Beobachtungsgabe

Vertrauen in Intuition, Instinkt & den inneren Naturanteil

Empathie, die Freundlichkeit des Herzens 

Wenn Du weisst 

  • wie und was ein Hund kommuniziert, 
  • wie er lernt, 
  • was seiner Art gemässe Beschäftigungen sind,
  • was er braucht um ein  körperlich und geistig erfülltes Leben zu haben, beides  essentiell für seine körperliche und psychische Gesundheit,...

...dann kannst Du dieses Wissen nutzen und ihm das geben, was sich wesenhaft jeder Hund auf der Welt  wünscht, der mit seinen Menschen lebt:
Schutz & Sicherheit, Halt & Orientierung.
Der Mensch als Fels in der Brandung. Und, ein ausgefülltes Leben mit Ihnen und Ihrem Umfeld.

Wenn Du die Körpersprache des eigenen und anderer Hunde lesen lernst, kannst Du andere Hunde und Deinen eigenen Hund verstehen und einschätzen. So kannst Du Deinen Hund gegebenenfalls schützen oder regulieren.

  •  "Will er wirklich spielen?"
  • "Ist es noch ein Rennspiel oder schon Mobbing?"
  • "Der freut sich, der wedelt doch mit dem Schwanz?!"
  • " Warum macht der Hund sich  groß, Mama?"   
  • " Warum läuft mein Hund einen Bogen um andere Hunde?"   
  • "Was ist ein Spielgesicht?"    
  •  "Ich glaube, mein Hund lächelt mich an, kann das stimmen?"

An diesem Punkt können wir unserem Hund auf seinem ureigenen Gebiet entgegenkommen. 

Weg aus dem Kopf, hin zum Vertrauen in das Bauchgefühl, der Intuition, in die eigenen Instinkte, dem Anteil in uns, der uns noch mit der Natur verbindet. Und damit, ohne viele Worte, ganz intuitiv, ganz leicht, mit unserem Hund. In unserer überkultivierten Zivilisationsgesellschaft, die, seit dem Neolithikum, seit der Sesshaftwerdung des Menschen, sich immer weiter vom "Menschen als Teil der Natur" entfernt,  haben viele von uns die Verbindung zur Natur verloren. Ich unterstütze Dich, diese Seite wieder zu entdecken und sich mit ihr zu verbinden.

 

Grundlage von Empathie ist die Fähigkeit die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Können wir unsere Gefühle spüren und deuten, 
haben wir also eine gute Selbstwahrnehmung, eine Bewusstheit über uns selbst, dann können wir uns auch gut in andere, in Menschen und Tiere, hineinversetzen und fühlen, was sie fühlen.
Frei nach dem Motto: "Was Du nicht willst, dass man Dir tu`, das füg` auch keinem anderen zu.", sollten wir dann auch dem entsprechend handeln.
Wir sollten unsere Hunde mit genauso viel Fairness, Respekt, Freundlichkeit,  Klarheit, also ihrer Art gerecht, ohne ihnen Leid und Schmerz zuzufügen, behandeln, wie wir uns  diesen Umgang für uns wünschen.
Tierschutz



 "Die Entfremdung des Menschen von der Natur ist die Entfremdung von uns selbst."
Wolf-Dieter Storl



2. Wie setzt Du das um? 


Mit meiner Unterstützung.                                     

Ich bin Dein Beziehungscoach – für Hund und Mensch.

Ich gebe mein kynologisches Wissen, das Wissen über die Biologie des Hundes, darüber wie Dein Hund die Welt sieht, wie er lernt und was er braucht, und mein Wissen über Beziehungsaufbau an Dich weiter.
Meine Qualifikation

Du hast bereits alles in Dir, was Du für eine gute Beziehung brauchst
Gemeinsam
holen wir es hervor.


  • Ich kann Dir helfen, die Sprache des Hundes zu erlernen und damit zu verstehen
  • Deine Beobachtungsgabe zu schärfen,
  • Dich mit Deiner Intuition zu verbinden,
  • Deine Empathiefähigkeit zu stärken.


Auf der Basis von Wissen über den Hund und Beziehungsaufbau zu diesem, leite ich Dich im Training und der Verhaltensberatung mit Deinem Hund an.
Für ein harmonisches, ausgefülltes Leben miteinander.

IV. Über Dankbarkeit und Verantwortung - Hund & Mensch kulturgeschichtlich und ein Ausblick

"Du bist ewig für das verantwortlich,
was Du Dir vertraut gemacht hast."

Antoine Saint Exupery

Hund und Mensch kulturgeschichtlich

Seit mindestens 32.000 Jahren lebt der Hund an unserer Seite. Damals lebte der Mensch noch in Jäger und Sammlerkulturen, als Homo sapiens sapiens und Neandertaler.
Wir haben den Hund im Lauf des Domestikationsprozesses beeinflusst, wie kein anderes Tier und er uns sicherlich auch.
Hunde halfen uns zu allen Zeiten auf der Jagd. 


Felszeichnung ca. 2000-3000 B.C.-Algerien; Region:Tassili n′Ajjer; Ort: Ido I; Frobenius-Expedition: 01 Sahara: Libyen -Fezzan-, Algerien -Tassili- (1932); Bildautor / Urheber: Schulz, Agnes S. Quelle: Frobenius Katalog Bild 30.




Sie beschützten unser Hab und Gut und standen  uns im Kampf zur Seite. Schon in den Städten Altägyptens sorgten sie als Unratvertilger für Hygiene. Sie halfen dem Menschen weite Strecken auf Erden zurückzulegen, um neue Gebiete zu erschliessen. Wir sind spirituell und mythologisch mit ihm und seinem Vorfahren, dem Wolf, bis heute auf das engste verbunden.

Wäre die kulturhistorische Entwicklung des Menschen zu allen Zeiten, ohne seinen treuen Begleiter den Hund, überhaupt in der Form und Geschwindigkeit möglich gewesen?

Wissenschaftler sprechen bereits von einer möglichen Koevolution. 

Jagdhelfer, vermutlich Kongo, um 1930


Über Dankbarkeit und Verantwortung

Die Menschheit als Ganzes verdankt dem Hund unendlich viel und sicherlich würden viele Hundehalter zustimmen, dass das auch in ihrem eigenen Leben so ist. Im Laufe dieser Jahrtausende bis heute, hat der Hund eine unvergleichliche Anpassungsleistung an den Menschen gezeigt. 
Das prädestiniert den Hund, wie kein anderes Tier, mit uns zusammen zu leben – 
ja, er ist genetisch darauf disponiert.

Ihm Dank und Anerkennung zurückzugeben und die Verantwortung zu übernehmen, ihm, dem von uns Menschen so abhängigen Wesen, ein artgerechtes, seine Bedürfnisse befriedigendes, respektvolles Leben mit uns zu ermöglichen und  Hundehalter:innen in der Umsetzung dessen anzuleiten und zu unterstützen, darin sehe ich meine Aufgabe. Mit dieser Haltung arbeite ich mit Dir.
 
V. Du bist die Lösung

Werde ein Team mit Deinem Hund,
gehe mit ihm eine vertrauensvolle, für beide Seiten gute und bereichernde Bindung mit ihm ein.
Ich unterstütze Dich dabei.
Für Hund und Mensch individuell, für ein harmonisches Zusammenleben.

Im folgenden eine ausführliche Version des obigen Textes mit allen Quellenangaben.

Die moderne Kynologie

Kurzer Abriss zur Kulturgeschichte und zur Entwicklung der Kynologie,
der Wissenschaft vom Haushund (Canis lupus forma familiaris)

Neueste Forschungsergebnisse aus den Bereichen der Evolutionsbiologie, Genetik und Archäozoologie, legen nahe, dass Hund und Mensch seit mindestens 32.000 Jahren zusammen leben. 1 Anthropologisch befinden wir uns in der Zeit der Jäger,- und Sammlerkulturen, des Homo sapiens sapiens und des Neandertalers. 2
Und der Hund war auch schon mit dabei.
Morphologisch eindeutig dem Haushund zu zuordnende Knochenfunde belegen das. 3
Wann sich genau der Hund (Canis lupus forma familiaris) stammesgeschichtlich vom Wolf trennte (Canis lupus),zoologisch korrekt: wann er seinen Prozess der Haustierwerdung antrat,
ob es nicht immer wieder Vermischungen gab, parallele Domestikationsprozesse an verschiedenen Orten auf der Erde, das sucht die Wissenschaft mehr und mehr zu erforschen und es bleibt auf lange Sicht spannend, denn jeder neue archäologische Fund kann uns neue Erkenntnisse liefern. 4

Halten wir uns die Dauer unseres gemeinsamen Weges noch einmal vor Augen:
Über 30.000 Jahre!

Wir haben den Hund im Lauf des Domestikationsprozesses beeinflusst wie kein anderes Tier und er uns sicherlich auch, nicht umsonst sprechen Wissenschaftler bereits von einer möglichen Koevolution. 5
Und sie stellen sich und uns die Frage, ob die kulturhistorische Entwicklung des Menschen zu allen Zeiten, ohne seinen treuen Begleiter den Hund, der auf der Jagd half, ihn und sein Hab und Gut beschützte, schon in den Städten Altägyptens als Unratvertilger für Hygiene sorgte, ihm im Kampf zur Seite stand, ihm half weite Strecken auf Erden zurückzulegen, um neue Gebiete zu erschliessen, überhaupt in der Form und Geschwindigkeit möglich gewesen wäre.
Die Menschheit als Ganzes verdankt dem Hund unendlich viel und sicherlich würden viele Hundehalter zustimmen, dass das auch in ihrem eigenem Leben so ist.
Ihm Dank und Anerkennung zurückzugeben, aber nicht nur das, sondern aus dem Gefühl des Miteinanders-Füreinanders, ihm, dem von uns Menschen durch den Domestikationsprozess so abhängigen Wesen ein artgerechtes, seine Bedürfnisse befriedigendes, respektvolles Leben mit uns zu ermöglichen und den Hundehalter in der Umsetzung dessen anzuleiten und zu unterstützen, sehe ich meine Aufgabe.
Wie das? Durch die Vermittlung von Wissen.

"Wissen schützt Tiere." Feddersen-Petersen, 2004 6

Wenn ich weiß, wie ein Hund kommuniziert, wie er lernt, was er braucht, um sich rundum wohl zu fühlen, dann kann ich dieses Wissen nutzen und ihm das geben, was sich wesenhaft jeder Hund auf der Welt wünscht: Ein entspanntes, ausgefülltes Leben mit uns. Gewährleistet durch sein Vertrauen in uns und unsere Fähigkeit ihm Sicherheit, Schutz und eine ruhige, entspannte Führung angedeihen zu lassen und eine seiner Art gerecht werdende Beschäftigung. Beziehung und Erziehung auf der Basis von Vertrauen.
Was unser heutiges Wissen über den Hund angeht, leben wir in gesegneten Zeiten.
Das war nicht immer so, die Art wie sich die Wissenschaft heute mit dem Haushund beschäftigt, setzt eine lange wissenschaftstheoretische und damit wissenschaftshistorische Entwicklung voraus, mit einem Paradigmenwechsel, welcher gerade, seit rund zwanzig Jahren, beginnt Früchte zutragen.
Vor rund hundert Jahren sah man das Säugetier in der Forschung, und dies prägte die gesellschaftliche Sichtweise, noch als reine Reflexmaschine, ohne nennenswertes Innenleben, wie uns folgende Wissenschaftler nahe brachten:
Historisch allen voran, der berühmte russische Biologe Anton Pawlow (1849-1936), welcher bei seinen Forschungen zu den Reflexen das Prinzip der klassischen Konditionierung entdeckte und seine amerikanischen Nachfolger im Geiste, der Begründer des Behavorismus John Watson (1878-1958) und Edward Thorndike (1874-1949) und B. F. Skinner (1904-1990), welche sich der Erforschung der instrumentellen bzw. der operanten Konditionierung widmeten. 7

Ohne ihren Beitrag zur Erweiterung des Wissens über Lernformen, hier, die Konditionierungslehre, in Abrede zu stellen,
zumal gerade Pawlows früher Ansatz zu Erforschung unterscheidlicher Persönlichkeitstypen der Hunde, basierend auf seinen Beobachtungen im Labor und außerhalb, in Anlehnung an die von Hippocrates und Galen bereits in der Antike beschriebenen Charaktertypen, ein vergleichbar wichtiger Beitrag zur Forschung ist, wie die Entwicklung seiner laborgestützen Forschung zum assoziativen Lernen, 7.1
ist es ein Segen für uns Hundeliebende heute, dass sich parallel dazu bereits die damals noch Tierpsychologie, heute Ethologie, die vergleichende Verhaltensforschung genannte Wissenschaft, entwickelte, die dem Tier und somit auch dem Hund, einen ganz anderen Stellenwert einräumt. 8

Und das Wissen um die unterschiedliche Sichtweise auf den Hund, je nachdem, aus welcher wissenschaftshistorischen Richtung wir sehen, ist für uns enorm wichtig. Hilft es uns doch zu differenzieren, zwischen den verschiedenen Arten den Hund und unser Zusammenleben zu betrachten und zu entscheiden, wie wir mit unserem Hund leben und arbeiten, welchen Weg wir gehen möchten.
Mit der Änderung der Sichtweise auf den Hund, beflügelt durch die Forschung, hat sich, dankenswerter Weise, auch die Art der Forschung gewandelt und nicht zuletzt ist die gesellschaftliche Sichtweise im Wandel:
weg vom Hund als Objekt, hin zum Subjekt, einem erforschenswerten, in den Mittelpunkt gestellten Wesen.
Als einem denkenden, fühlenden Wesen.

Die moderne Wissenschaft räumt auf mit alter Sichtweise auf Wolf und Hund -
Mythen im Hundetraining haben ein Ende

Ein weiterer Teil des Ursprungs Hunde nicht ihrer Art gerecht als denkende, fühlende Wesen zu sehen,

mit schmerzausübenden, Angst verursachenden Hilsmitteln und körperlicher Gewalt mit dem Hund zu arbeiten und mit ihm umzugehen,

liegt Fehlinterpretation wölfischen Verhaltens und ein Ausblenden des jahrtausende währenden Domestikationsprozesses des Hundes zu Grunde.

Dieser Irrtum hat bis heute Auswirkungen und macht, auch damit, auf Vertrauen und Respekt, ja Liebe, basierenden Beziehungsaufbau zum Hund zunichte.

trägt dem errungenen Wissen über den Domestikationsprozess, den kognitiven Fähigkeiten, der Rassekunde, und so viel mehr, des Hundes Rechnung und verortet den Hund damit neu. 8.1

An der Erlangung und Verbreitung dieses Wissens arbeiten heute weltweit hervorragende Wissenschaftler. 9

Diese Forschung umfasst u.a. sämtliche Unterdisziplinen der Biologie:

  • Physiologie
  • Neurobiologie
  • Ethologie, welche u.a. Verhalten und Kommunikation beschreibt und die kognitiven Fähigkeiten des Hundes erforscht, also die Gedächtnisleistungen und das Lernverhalten,
    Evolution und Stammesgeschichte, Forschung zur Koevolution von Mensch und Hund, Domestikationprozess und Rassekunde, Tiermedizin und einige mehr.
    Nicht zuletzt die Forschung hinsichtlich des Gefühlsleben der Tiere, auch auf neurologischer Ebene.
    Mensch und Hund haben ganz ähnliche neurologische Strukturen, spätesten dank der Forschung in dieser Richtung, lässt sich das Gefühlsleben letzterer nicht längere in Abrede stellen. 10

 

    Die meisten Hundehalter brauchen sicherlich keine Forschungsergebnisse, um zu wissen, dass ihr Hund Gefühle hat. Zugleich, Forschung ist unabdingbar wichtig, sie ist die beziehbare Größe, die es uns ermöglicht anhand Daten und Fakten echten Tierschutz zu leisten und ein für alle Seiten zufrieden stellendes Leben zu ermöglichen:

 

  • Warum kann ein Hund nicht lernen unter Schmerzen, Stress und Angst? Die Antwort gibt die Neurobiologie.
    Warum wird zeitlebens das Wesen frühkastrierter Hunde juvenil bleiben, werden verschieden kognitive und andere Reifungsprozesse ausbleiben? Die Antwort geben Endokrinologie, die Wissenschaft, die sich mit den hormonellen Prozessen im Körper beschäftigt, und Neurobiolgie.
  • Warum ist „Schwanzwedeln“ nicht gleich „Schwanzwedeln“ und was sagt es dem anderen Hund, wenn sein Gegenüber rechtsseitig oder linksseitig wedelt? Die Antwort geben die Ethologie und Ergebnisse  aus der Kognitionsforschung. 11
  • Warum ist es unabdingbar wichtig zu wissen, für welche Hunderasse ich mich entscheide? Die Antwort gibt das Wissen über Domestikationsprozess, Rassekunde und Genetik.
    Die unvergleichliche Anpassungsleistung an den Menschen, im Laufe der genannten Jahrtausende, prädestiniert den Hund, wie keine anderes Tier, mit uns zusammen zu leben. Der Hund trägt in sich " die genetisch disponierte Neigung zum Menschen" . 12
    "Hunde also sind auf den Menschen "eingestellt", dieses mit genetischer Veranlagung." 13
    Dies ist für uns Glück und Verpflichtung zugleich.
    Die Verpflichtung uns auf ihn einzulassen, seine artgerechten Bedürfnisse zu kennen und unsere eigene natürliche Seite zu fördern, wenn nicht gar wieder zu entdecken, uns also zu "verhundlichen." 14
    Wir sind aufgefordert, unsere natürliche Seite wiederzuentdecken, die uns seit Jahrtausenden verbindet.
    Mensch und Hund nicht als getrennt in Mensch und Tier, mit dem Menschen als Krone der Schöpfung, sondern als kreatürliches Mitgeschöpf unter den Tieren. Eine Sichtweise, die sich unter Biologen schon durchgesetzt hat und sich in deren Bezeichnung für Tiere als, im englischen: non-human-animals, im deutschen: Nicht-Menschliche-Tiere, wieder findet und zumindest in diesem Sinne, in der biologischen Nomenklatur, die Sicht auf den Menschen wieder gerade rückt und damit den Weg bereitet dies auch im ethisch-moralischen Sinne zu tun:
    der Mensch nicht als den Tieren übergeordnet, sondern als ein weiteres Tier auf diesem Planeten, den wir uns mit den anderen Tieren teilen.
    Zumindest sprachlich ein erster Schritt in Richtung des Einläutens eines Ende des Anthropozentrismus.
    Die Sichtweise auf den Hund hat sich gewandelt, auch für uns, diejenigen, die mit Hunden arbeiten.
    Weg vom reinen Konditionieren, obwohl wir auch dieses selbstverständlich noch für uns nutzen, hin zur Beziehungsarbeit.
    Es ist meine Aufgabe das Wissen dazu an Sie weiter zu geben, ganz praktisch nutzbar, für Hund und Mensch individuell, für ein harmonisches Zusammenleben.
     
    Marlene Marlow























Quellenverzeichnis

    1.
    Complete Mitochondrial Genomes of Ancient Canids Suggest a European Origin of Domestic Dogs O. Thalmann et al. Science 342, 871 (2013); DOI: 10.1126/science.1243650
    2.
    3.
    4.
    5.
    u.a. Pat Shipmann,The Animal Connection and Human Evolution Current Anthropology, Vol. 51, No. 4 (August 2010), pp. 519-538 Published by: The University of Chicago Press on behalf of Wenner-Gren Foundation for Anthropological Research
    6.
    Dorit U. Feddersen-Petersen
    Hundepsychologie: Sozialverhalten und Wesen, Emotionen und Individualität, August 2004
    7.
    7.1
    Miklosi, Adam: dog behaviour, evolution and cognition. Oxford Press, Oxford, 2. überarbeitete Neuauflage, 2016
    8.
    8.1 u.a.:
    Und selbstvertändlich die Arbeiten von Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen, Günther Bloch, und vielen anderen.
    Siehe: Literatuliste & Links
    9. u.a.:
    10.
    The Emotional Lives of Animals: A Leading Scientist Explores Animal Joy, Sorrow, and Empathy — and Why They Matter, Marc Bekoff, New World Library, 2008
    Beyond Words: What Animals Think and Feel, Carl Safina,
    Henry Holt and Company,2015
    11.
    Seeing Left- or Right-Asymmetric Tail Wagging Produces Different Emotional Responses in Dogs
    Siniscalchi et. al., Published Online: October 31, 2013
    12.
    Seminarbeschreibung 1 Tages-Seminar mit Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen
    am 21. April 2018 „Homologien und Analogien im Sozialverhalten zwischen Hund und Mensch.“
    Veranstalter: Christine Holst, "Canis Major" query=1181781
    13. Feddersen-Petersen, Dorit Urd Ausdrucksverhalten beim Hund, Frankh-Kosmos, Stuttgart, 2008
    14. Bloch, Günther, diverse:

          https://portal.dnb.de/opac/simpleSearch?query=g%C3%BCnther+bloch




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